Das englische th und andere Laute, die im Deutschen fehlen

Die englische Aussprache hält für deutschsprachige Lernende eine Reihe von Hürden bereit, die nichts mit dem Wortschatz oder der Grammatik zu tun haben. Es geht um Laute, die es im Deutschen schlicht nicht gibt, und um feine Unterschiede, die im Deutschen bedeutungslos sind, im Englischen aber ganze Wörter voneinander trennen. Wer diese Laute ignoriert, bleibt verständlich, klingt aber unverkennbar deutsch und riskiert im Einzelfall echte Missverständnisse. Dieser Artikel nimmt die wichtigsten Problemlaute unter die Lupe und zeigt, wie man sie gezielt üben kann.

Das berüchtigte „th”

Kein Laut steht so sehr für die Schwierigkeiten deutscher Sprecher wie das englische „th”. Es kommt in zwei Varianten vor: stimmlos wie in „think”, „three” oder „bath”, und stimmhaft wie in „this”, „mother” oder „breathe”. Beide entstehen, indem die Zungenspitze leicht zwischen oder hinter die oberen Schneidezähne gelegt wird und die Luft hindurchströmt. Im Deutschen gibt es diesen Laut nicht, weshalb er reflexartig durch „s”, „z”, „f” oder „d” ersetzt wird.

So wird aus „think” ein „sink”, aus „three” ein „free” und aus „this” ein „dis”. Das mag harmlos klingen, doch „think” und „sink” sind zwei völlig verschiedene Wörter, ebenso „thing” und „sing” oder „mouth” und „mouse”. Der Schlüssel zur Korrektur liegt in der Zungenposition. Üben Sie zunächst übertrieben langsam: Zunge leicht zwischen die Zähne, Luft ausströmen lassen, dann in ein Wort übergehen. Am Anfang fühlt es sich seltsam an, doch mit etwas Wiederholung wird die Bewegung automatisch.

„v” und „w” als vertauschtes Paar

Ein zweiter Klassiker ist die Verwechslung von „v” und „w”. Im Deutschen wird das „w” wie das englische „v” ausgesprochen, während der englische „w”-Laut mit gerundeten Lippen gebildet wird, ähnlich einem kurzen „u”. Deutsche Sprecher sagen deshalb oft „vine” statt „wine” oder „vest” statt „west” und umgekehrt „west” statt „vest”.

Der Unterschied ist rein mechanisch. Für „v” berühren die oberen Zähne die Unterlippe, wie bei einem deutschen „w”. Für das englische „w” formen die Lippen einen kleinen Kreis, die Zähne sind unbeteiligt. Ein hilfreiches Bild: Beginnen Sie das englische „w”, als wollten Sie pfeifen oder ein Kerzenlicht ausblasen. Wortpaare wie „vine” und „wine”, „veil” und „whale” oder „vet” und „wet” eignen sich hervorragend, um beide Laute direkt gegeneinander zu üben.

Lange und kurze Vokale, die alles verändern

Im Englischen entscheidet die Vokallänge oft über die Wortbedeutung. Der Unterschied zwischen „ship” und „sheep”, „bit” und „beat” oder „full” und „fool” liegt allein im Vokal. Deutsche Ohren nehmen diesen Unterschied anfangs kaum wahr, weil im Deutschen die Vokallänge zwar existiert, aber seltener allein in vergleichbarer Weise über die Wortbedeutung entscheidet.

Besonders tückisch ist das kurze „i” in Wörtern wie „ship”, „sit” oder „bin”. Es ist nicht einfach ein kurzes deutsches „i”, sondern ein entspannterer, offenerer Laut, fast in Richtung „e”. Wer es zu deutlich als deutsches „i” spricht, landet unfreiwillig beim langen Laut und sagt „sheep”, wenn er „ship” meint. Hören Sie sich Minimalpaare bewusst an und sprechen Sie sie im direkten Wechsel, bis Sie den Unterschied sowohl hören als auch produzieren können.

Das stimmhafte Wortende

Eine Eigenheit, die viele nicht auf dem Schirm haben, ist die Auslautverhärtung. Im Deutschen werden stimmhafte Konsonanten am Wortende stimmlos: „Tag” klingt wie „Tak”, „Rad” wie „Rat”. Diese Gewohnheit übertragen deutsche Sprecher unbewusst ins Englische, wodurch „bag” wie „back”, „dog” wie „dock” und „ride” wie „right” klingt.

Im Englischen bleibt der stimmhafte Konsonant am Wortende jedoch stimmhaft, und der vorangehende Vokal wird zusätzlich etwas länger gehalten. Der Unterschied zwischen „bad” und „bat” liegt nicht nur im Endkonsonanten, sondern auch in der Vokallänge davor. Wer darauf achtet, das „d”, „g” oder „b” am Ende weich auslaufen zu lassen und den Vokal nicht abzuhacken, klingt sofort englischer.

Betonung und Wortakzent

Aussprache ist mehr als die korrekte Bildung einzelner Laute. Ebenso wichtig ist, welche Silbe eines Wortes betont wird. Im Englischen ist der Wortakzent oft nicht vorhersehbar und verschiebt sich sogar je nach Wortart. „Record” als Substantiv wird auf der ersten Silbe betont, als Verb auf der zweiten. Falsche Betonung kann ein Wort unverständlich machen, selbst wenn alle Laute korrekt sind.

Gewöhnen Sie sich an, bei jedem neuen Wort nicht nur die Bedeutung, sondern auch die betonte Silbe mitzulernen. Viele Wörterbücher markieren sie. Sprechen Sie neue Wörter laut aus und klopfen Sie den Rhythmus dabei ruhig mit dem Finger mit, um die Betonung körperlich zu verankern.

So üben Sie wirkungsvoll

Aussprache verbessert sich nicht durch Nachdenken, sondern durch bewusstes, wiederholtes Sprechen. Ein paar Methoden haben sich besonders bewährt:

  • Nehmen Sie sich selbst auf und vergleichen Sie Ihre Aufnahme mit einem Muttersprachler. Das Ohr entlarvt Unterschiede, die man beim Sprechen selbst überhört.
  • Arbeiten Sie mit Minimalpaaren wie „think/sink” oder „ship/sheep”, um kritische Laute direkt gegenüberzustellen.
  • Nutzen Sie das Shadowing: Sprechen Sie einen kurzen Audioausschnitt fast zeitgleich mit und imitieren Sie dabei Tonhöhe, Rhythmus und Laute.
  • Konzentrieren Sie sich jeweils auf einen einzigen Laut pro Übungseinheit, statt alles gleichzeitig verbessern zu wollen.

Erwarten Sie keine sofortige Perfektion. Aussprache ist Muskelarbeit, und Ihre Sprechwerkzeuge müssen neue Bewegungen erst einschleifen, ähnlich wie beim Erlernen eines Instruments. Wichtiger als ein akzentfreies Englisch ist ohnehin die Verständlichkeit. Wenn Sie die hier beschriebenen Problemlaute gezielt angehen, werden Sie nicht nur klarer verstanden, sondern gewinnen auch die Sicherheit, im Gespräch nicht ständig nachbuchstabieren zu müssen. Und genau diese Sicherheit macht das Sprechen mit der Zeit leichter und angenehmer.